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Die Entstehung der "kommerziellen Software"

Zu Beginn der Computertechnologie war die Software quelloffen und frei; es gab es noch keinen Markt für Software. Die Hersteller von Computern lieferten die Software kostenfrei mit. Das waren aber nureinfache Befehlssequenzen zum Ansteuern und Zugreifen auf die gelieferten Hardware-Komponenten. Der Kunde selbst programmierte dann seine Anwendungsprogramme und die Hardware-Hersteller förderten den Wissensaustausch zwischen den unterschiedlichen Kunden.

Erst in den 70er Jahren wurde Software kommerziell als eigenständiges Produkt erstellt und verkauft. 1975 wurde dann "Microsoft" gegründet. Als Anfang der 80er der Computer zur Massenware wurde und IBM sich auf das Betriebssystem MS-DOS festlegte und sicherstellte, dass alle Programme, die mit dem IBM-PC ausgeliefert wurden, nur mit diesem Betriebssystem funktionierten, dominierte MS-DOS in kürzester Zeit den Markt. Es enstand das Zeitalter der "Software aus der Schachtel": maßgefertigte Software für spezielle Anwendungs- und Aufgabenstellungen, erstellt von externen Dienstleistern und Firmen, verkauft über reine Vertriebsgesellschaften.

"Software" wurde zu einem Produkt, einem Endprodukt. Der Kunde/Nutzer kann diese Software nur noch nutzen und sich darauf verlassen, dass der Hersteller diese nach seinen Bedürfnissen und Vorstellungen funktionstüchtig erstellt hat. Es entwickelte sich ein Quasi-Standard, dominiert durch die Marktmacht einzelner Firmen. Dies hat zur Folge, dass heute ca. 90 % der PC-Systeme (am Arbeitsplatz und privat) mit Microsoft-Produkten (Betriebssystem und Office-Programmen) betrieben werden um einen Datenaustausch zu garantieren; ein Datenaustausch der durch die Vielfalt der verschiedenen Programme immer schwerer wird.

Was ist eigentlich freie Software?

Falsch ist die Annahme, freie Software würde niemanden gehören, sei also quasi "frei". Auch freie Software "gehört" dem Urheber, mit allen Rechten und Pflichten. Nur er kann ursächlich bestimmen, was mit seinem Produkt geschieht.

Dies ist auch der Grund, warum aus dem englischen "free software" 1998 der Begriff "Open Source" wurde und sich dieser Begriff heute durchgesetzt hat.

"Open Source" (was wörtlich übersetzt "offene Quelle" heißt) grenzt sich ein bisschen vom Begriff "free software" (freie Software) ab: die Betonung liegt bei OpenSource darauf, dass der Quellcode "offen" ist, also jeder dazu berechtigt ist, diesen an seine eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Heute definiert man vier Eigenschaften, der freie Software genügen muss, um als solche benannt zu werden:

  1. Die Software darf ohne Einschränkungen benutzt werden.
  2. Der Quellcode freier Software ist verfügbar. Er darf zitiert und aus ihm darf gelernt werden.
  3. Sie darf ohne Einschränkungen und ohne Zahlungsverpflichtungen kopiert und weitergegeben werden.
  4. Sie darf verändert und in veränderter Form weitergegeben werden.

Die beteiligten Entwickler sind nicht auf der Basis von Verträgen gebunden und somit auch frei von Direktiven. Das Internet spielt hierbei eine wichtig Rolle, da so Entwickler aus allen Ländern an einem Projekt teilnehmen können.

Zur Vollständigkeit hier noch eine Begriffsbestimmung häufig zu lesender oder ähnlich klingender Bezeichnungen:

Begriff Eigenschaften, Merkmale

Freie Software
Open Source
Quellcode einsehbar
Quellcode veränderbar
Lizenzkostenfrei, beliebig nutzbar
Beliebig verteilbar
Freeware Quellcode nicht einsehbar
Quellcode nicht veränderbar
Lizenzkostenfrei nutzbar, teilweise mit Einschränkungen
Beliebig verteilbar
Shareware Quellcode nicht einsehbar
Quellcode nicht veränderbar
Lizenzkostenpflichtig pro Installation, oft kostenfreie Testphase, zeitlich limitert
Beliebig verteilbar
Propritäre Software Quellcode nicht einsehbar
Quellcode nicht veränderbar
Lizenzkostenpflichtig pro Installation
Nicht verteilbar

Erkennbar ist, dass der Quellcode eine entscheidende Rolle bei der Definition und der Abgrenzung von freier Software spielt: dieser muss verfügbar sein.

Der Quellcode stellt die Anweisungen und Befehle an einen Computer und/oder an seinen Prozessor dar.

Nicht verwechseln darf man aber die Freiheit der Information mit dem Verzicht auf Eigentum des Gutes. Auch "Open Source" beziehungsweise "freie Software" ist nicht frei von Eigentum, sie gehört nicht "niemanden" und wäre somit rechtefrei. Selbstverständlich bleiben die Urheberrechte" der Autoren bestehen und nur diese selbst können bestimmen, wie Ihre Code-Teile verwendet und weiterverarbeitet werden.

Wie funktioniert Open Source?

Open Source-Projekte beginnen meist mit der Erkenntnis irgend eines Nutzers oder Entwicklers, dass er ein Problem hat beziehungsweise einen Missstand beheben möchte. Entweder gibt es kein ideal passendes Produkt zur Problemlösung oder bestehende Varianten haben so viele Einschränkungen und Begrenzungen, dass sie nur suboptimal ist. So entstand beispielsweise Linux aus der Idee des finnischen Informatikstudenten Linus Torvalds, der das Betriebssystem UNIX auf seinen 386-PC laufen lassen wollte. Heute programmieren viele tausend Entwickler weltweit an Details dieses Systems und es hat sich zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten von Microsofts "Windows" entwickelt.

Wenn der Quellcode frei verfügbar ist, dann ist es eigentlich die logische Konsequenz, dass auch das "Programm" kostenfrei erhältlich sein sollte. Hier muss jedoch zunächst auf die Definition des Begriffes der "Kosten" eingegangen werden. Typischerweise verstehen wir heute unter den "Kosten" den Preis eines Produktes, den wir bezahlen müssen, um das Produkt zu erhalten, beziehungsweise, um es benutzen zu können und damit eigen Vorteile zu erzielen (zum Beispiel eine Erhöhung meiner Arbeitsproduktivität). Je wertvoller ein Produkt für mich ist - also je höher mein eigener Vorteil durch das Produkt sein wird oder je höher ich den erwarteten und vermeintlichen Vorteil einschätze - umso höher wird der Preis sein, den ich für das Produkt zu bezahlen bereit bin. Aus dieser Relation entwickelt sich oft auch ein Umkehrschluss: Je teurer ein Produkt ist, umso mehr Vorteile und Nutzen wird es haben. Diese Erwartung der Verbraucher (oder Nutzer) führt dann zu der Erkenntnis, dass Produkte, die nichts kosten auch nichts wert sind. Gerade in Unternehmen wird häufig ungläubig die Frage gestellt, wieso denn ein "so gutes Produkt umsonst zu haben sei"

Es ist also durchaus sinnvoll, sich einmal Gedanken zu machen, wie ein Preis beziehungsweise wie sich die Kosten eines Software-Produkts zusammensetzen und wieso Open Source-Software so günstig zu haben ist.

Nehmen wir eine Firma, die proprietäre Software herstellt und diese als Boxversion verkauft. Wie setzt sich der Preis dieser "Box" zusammen:

Neben den direkt zuordenbaren Kosten kommen immer noch die "immateriellen" Kosten hinzu, quasi die Nutzungsgebühr für die kreativen Ideen der Entwickler! Genau diese Lizenzgebühr verbietet es Ihnen, proprietäre Software, die Sie einmal als "Box" erworben haben und damit ja eigentlich die direkten Kosten "bezahlt" haben, auf verschiedenen Rechnern zu installieren und zu nutzen. Mit dem Kauf der Box haben sie lediglich das Recht erworben, das Programm auf einem Arbeitsplatz (oder auf einem Rechner) eventuell sogar nur für eine begrenzte Zeit zu nutzen, mehr erlauben die Lizenzbedingungen oft nicht. Die Information, das Wissen, wird somit zum Produkt, limitiert und nicht frei.

Open Source-Software geht hier eben einen anderen Weg. Sie stellt das Wissen und die Information als "frei" zur Verfügung, verzichtet völlig auf Lizenzkosten für genau dieses Wissen und erklärt dasselbe für Allgemeingut. Nicht im Sinne des Eigentums, sondern im Sinne der Nutzung, der Weiterverwendung. Jeder darf sich des Wissens bedienen und es für seine eigenen Zwecke verwerten und gebrauchen. Das Wissen ist quasi "öffentlich". Nun ist ja aus dem "Wissen" noch kein Produkt geworden, das direkt genutzt und verwendet werden kann wie beispielsweise eine proprietäre "Box"-Software, es fehlt also noch ein Schritt.

Mit dem Quellcode kann eigentlich ausschließlich ein Entwickler oder ein sehr fundierter Anwender etwas anfangen. Für den normalen Nutzer ist ein ausführbares Programm (Binary) passend für seine aktuelle Hardware-Umgebung und am besten mit einem (gedruckten) Handbuch von Nöten. Zwar könnte er aus dem vorhanden und verfügbaren Quellcode mit Hilfe entsprechender Compiler den für sein System passenden Programmcode erzeugen, doch das dürfte die Fähigkeiten der meisten Nutzer bei weitem übersteigen. Es bietet sich also an, dass irgendjemand - und der darf durchaus wirtschaftliche Ziele verfolgen - diese Aufgaben übernimmt und dem Endnutzer ein Produkt (eine Box-Version) anbietet. Diese Box-Version wird - und das ist auch Praxis - Geld kosten. Der Preis setzt sich ähnlich zusammen wie vorher aufgeführt, es entfallen jedoch gänzlich die "Lizenzkosten".

So als Beispiel Linux: Die Quellen von Linux kann man ohne weiteres (kosten-)frei aus dem Internet herunterladen und dann passend zu Ihrer Systemhardware kompilieren. Man kann aber auch Box-Versionen großer Distributoren (wie SuSE, Red Hat oder Caldera) kaufen, die diese Kompilierung schon vorgenommen haben, dem Kunden ein Handbuch mitliefern und ein paar zusätzliche Features eingebaut haben. Man kann das Produkt (und zu einem solchen ist es jetzt geworden) direkt einsetzen und nutzen.

Wege der Software zum Nutzer

"Freie Software" ist also keineswegs per Definition "kostenlos", lediglich - aber das ist ein entscheidender Vorteil - lizenzkostenfrei. Das heißt, man braucht für die Nutzung der Software in keinem Fall an irgendjemanden Lizenzkosten bezahlen, man kann die Software nutzen wie und wo man will, kopieren, verteilen, auf verschiedene Computer installieren und so weiter und so fort.

Allerdings beginnt bereits hier eine juristische Grauzone, die nicht vernachlässigt werden darf. Nach allgemeiner Rechtsauffassung haftet nämlich der Hersteller eines Produktes auch für dieses; und das ist unabhängig vom Preis des Produktes, also auch unabhängig davon, ob möglicherweise das Produkt überhaupt nichts kostet, also quasi "verschenkt" wird.

Hier steckt eben ein Dilemma der ganzen Open Source-Szene. Auf der einen Seite wird ein Quellcode entwickelt und veröffentlicht, der einen echten Nutzwert für eine große Anzahl von Menschen darstellt beziehungsweise darstellen könnte, und jeder Beteiligte am Projekt ist durchaus daran interessiert, möglichst viele Nutzer der Software zu finden. Auf der anderen Seite ist "Open Source" eben ein Projekt und kein Produkt.

Vom Code zum Gedruckten

In Open Source-Projekten ist die Dokumentation immer ein "Stiefkind". Echte Programmierer können genialen Code schreiben, Probleme mit wunderbaren Algorithmen lösen, sie tun sich aber schwer, dieses in allgemein verständlicher Form zu dokumentieren. Und da im Projekt jeder nur das tut, was ihm Spaß macht und wozu er gerade Lust hat, fehlen häufig eben die Dokumentationen. Hat aber ein Open Source-Projekt erst einmal eine signifikante Verbreitung erfahren, gibt es auch bald Drittliteratur, die dann die oft dürftigen oder fehlenden Handbücher ersetzen oder zumindest ergänzen. Allerdings sind diese in der Regel kommerziell verlegt und haben somit ihren Preis.

In neuerer Zeit übrigens schrumpft die Differenz von proprietärer Box-Software zu Releases von freien Software-Projekten in Bezug auf die Dokumentation. Auch proprietäre Software verzichtet mehr und mehr auf gedruckte Handbücher. Oft befindet sich in der gekauften "Box" nur noch eine Menge Luft und eine CD, die neben dem Programm selbst auch noch eine elektronische Dokumentation enthält. Begründet wird dies oft mit den zu hohen Kosten für das (gedruckte) Handbuch und der zu kurzen Lebensdauer. Denn auch bei der kommerziellen Software hat sich ein recht kurzer Versions-Zyklus von ca. einem Jahr eingestellt.

Die Akzeptanz und die Verbreitung von Open Source-Software hängt also ganz wesentlich von der Verfügbarkeit von entsprechenden Dokumentationen ab.

Ein weiteres leidiges Thema: Hilfe!

Beim Kauf von proprietärer Software ist in der Regel zumindest ein Installationssupport inklusive, das heißt, es gibt eine Stelle, die dem Nutzer in solchen Fällen mehr oder weniger kompetent weiterhilft.

Open Source-Software macht es sich hier viel einfacher: Es gibt keinen Support! Jedenfalls nicht so direkt. Die Hilfe wird hierbei im Internet beziehungsweise über das Internet angeboten und ist in den meisten Fällen sehr schnell und kompetent. Es wird also niemand alleine gelassen und der Support ist - entsprechend dem Wesen der Open Source-Projekte - in der Regel auch sehr breit angelegt. Das heißt, es gibt immer einen Experten und sei die Problematik auch noch so ungewöhnlich und die eingesetzte Hard- und Software noch so exotisch.

Darüber hinaus entwickeln sich natürlich bei entsprechender Verbreitung des Programms in gleichen Maße externe Dienstleister, die professionellen Support für eben diese Open Source-Software anbieten, deren Leistungen dann aber auch entsprechend bezahlt werden müssen.

Wichtige Quellen

http://sourceforge.net Dieser Server (oder besser die verschiedenen Server, denn es sind inzwischen mehr als einer) wird betrieben von der "Open Source Development Network, Inc.", einer 100 %igen Tochterfirma der VA Software Corporation, einer 1993 gegründeten Firma in Freemont, Kalifornien. Diese Firmen haben sich die Förderung freier Software zur Aufgabe gemacht und bieten allen interessierten Entwicklern freie Internet-Hosting-Kapazitäten und die entsprechende Infrastruktur (zum Beispiel CVS), um ein freies Projekt zu beginnen und erfolgreich fortzuführen.
Sourceforge.net beheimatet heute rund 75.000 freie Software-Projekte und zählt rund 775.000 registrierte Benutzer.
Suchmaschinen Wenn man nicht ziemlich genau weiß, was man sucht, sollte man auf den Einsatz von Suchmaschinen verzichten. Der Suchbegriff "freie Software" bringt beispielsweise bei der bekanntesten Suchmaschine Google ( www.google.de ) mehr als 155.000 Treffer innerhalb einer Suchzeit von 0,18 Sekunden. Und dabei wurde nur ein deutscher Begriff eingegeben! Da die meiste freie Software aber in Englisch gehalten ist und natürlich auch die entsprechenden Internetseiten, spiegelt dieses Ergebnis nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Fundstellen wieder. Schon der Eintrag "free software" liefert hingegen 4.350.000 Fundstellen bei einer Suchzeit von 0,17 Sekunden.
Link-Verweise Eine praktikablere Methode freie Software zu finden, sind die Link-Listen und Verweise von anderen freien Software-Projekten. Also, ausgehend von einem bekannten "Open Source-Projekt" lassen sich leicht und ohne großen Aufwand neue freie Projekte finden - über die dort angelegten Link-Verweise.
Zeitschrift Fast alle Computer-Fachzeitschriften stellen regelmäßig neue Programme vor, darunter oft auch "Open Source"- oder freie Programme. Hier erfährt man oft schon mehr über die Arbeitsweise und Funktionen der Software, kann also gleich prüfen, ob diese überhaupt in Frage kommt.
Sonstige Quellen Da freie Software ohne Probleme kopiert und weitergegeben werden darf, ist der eigene Bekanntenkreis und das soziale Umfeld durchaus ebenfalls eine gute Bezugsquelle für freie Software. Der Vorteil einer solchen Kommunikation ist die direkte Weitergabe von Erfahrungsberichten, Installations- und Funktionstipps und - nicht zu vergessen - die Möglichkeit einer Hilfestellung im Bedarfsfall.